{"id":228,"date":"2021-06-21T13:24:52","date_gmt":"2021-06-21T13:24:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/?page_id=228"},"modified":"2021-06-21T13:24:52","modified_gmt":"2021-06-21T13:24:52","slug":"wie-deutschland-und-japan-ihren-ersten-vertrag-miteinander-schlossen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/?page_id=228","title":{"rendered":"Wie Deutschland und Japan ihren ersten Vertrag miteinander schlossen."},"content":{"rendered":"\n<p>Das geschah vor 160 Jahren, am 24. Januar 1861, in der damaligen japanischen Hauptstadt, die noch Edo hie\u00df. \u201eDeutschland\u201c ist in diesem Zusammenhang allerdings nicht der richtige Ausdruck, denn ein geeinter deutscher Staat existierte noch nicht. In Frankfurt am Main gab es einen \u201eDeutschen Bund\u201c, der sich aus drei Dutzend F\u00fcrstent\u00fcmern und vier freien Reichsst\u00e4dten zusammensetzte. Im Vergleich zu den europ\u00e4ischen Nationalstaaten war dies ein schwaches Gebilde, das der politischen Entwicklung des \u00fcbrigen Europa hinterherhinkte. Gr\u00f6\u00dfere Mitglieder wie etwa das K\u00f6nigreich Bayern suchten noch nach einer angemessenen Stellung im Deutschen Bund, und drohend kristallisierte sich bereits ein Konflikt zwischen dem K\u00f6nigreich Preu\u00dfen und dem Kaiserreich \u00d6sterreich heraus. Das Kaiserreich hatte mit der Weltumseglung der <em>Novara<\/em> von 1857 bis 1859 seine maritimen F\u00e4higkeiten bewiesen. Das K\u00f6nigreich Preu\u00dfen dagegen war eine Landmacht, und doch war es dann Preu\u00dfen, unter dessen Fittichen erfolgreich eine diplomatische Mission nach Ostasien ausgesendet wurde: Friedrich Graf zu Eulenburg (1815-1881) brachte die ersten Vertr\u00e4ge mit Japan, China und Siam zustande und verhalf damit seinem Auftraggeber zu einem Pluspunkt im Streben um die Vorherrschaft im k\u00fcnftigen deutschen Reich.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Friedrich-Albrecht_Graf_zu_Eulenburg.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-229\" width=\"620\" height=\"923\" srcset=\"https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Friedrich-Albrecht_Graf_zu_Eulenburg.jpg 215w, https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Friedrich-Albrecht_Graf_zu_Eulenburg-202x300.jpg 202w\" sizes=\"(max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption>Friedrich Graf zu Eulenburg<br>aus: Andrea Hirner:\u00a0Wilhelm Heine, K\u00f6tzschenbroda 2009\u00a0<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit der \u00d6ffnung Japans durch die Verhandlungen des amerikanischen Commodore Matthew Calbraith Perry (1794-1858) 1853\/1854 war auf einmal Japan ins Blickfeld ger\u00fcckt, das bis dahin kaum eine Rolle gespielt hatte. Das Kaiserreich China war bereits in zwei Kriegen gezwungen worden, H\u00e4fen f\u00fcr ausl\u00e4ndische Kaufleute zu \u00f6ffnen, doch Japan hatte sich bis dahin erfolgreich gegen diese Forderungen gestr\u00e4ubt. Seit der Machtergreifung der Tokugawa 1603 galt die Doktrin einer Abschlie\u00dfung gegen westliche L\u00e4nder; ausgenommen davon waren bekanntlich die Niederlande und China als Nachbarland. Philipp Franz von Siebold hatte noch 1844 ein Schreiben des holl\u00e4ndischen K\u00f6nigs Wilhelm II. an das Sh\u014dgunat angeregt und darin eine vorsichtige \u00d6ffnung des Landes vorgeschlagen \u2013 er hatte den immensen Aufschwung der europ\u00e4ischen L\u00e4nder und der Vereinigten Staaten richtig eingesch\u00e4tzt und f\u00fcrchtete die Folgen f\u00fcr Japan.<\/p>\n\n\n\n<p>Es waren dann nicht diplomatische Erw\u00e4gungen, sondern die robusten Forderungen der jungen USA, die die Entwicklung vorantrieben. Mehrere amerikanische Emiss\u00e4re nach Japan waren vorher gescheitert und erfolglos wieder abgezogen. Wenn man in Washington zwar von einer humanit\u00e4ren Aufgabe sprach, dieses renitente Volk der Japaner der Weltgemeinschaft zuzuf\u00fchren, standen tats\u00e4chlich wirtschaftliche Interessen hinter der Entsendung von Perry. F\u00fcr den \u00e4u\u00dferst lukrativen, aber gef\u00e4hrlichen Walfang im Norden von Japan brauchten die USA dringend eine Versorgungsstation auf Japan, wo man Kohle aufnehmen und kranke Seeleute versorgen konnte. Doch das hatte die Sh\u014dgunats-Regierung immer abgelehnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Perry mit vier Schiffen am 8. Juli 1853 in die Bucht vor Edo einlief, schaffte er sofort Fakten und weigerte sich, Nagasaki als Verhandlungsort zu akzeptieren, wie die Japaner sofort forderten. Dort gab es japanische K\u00fcstenwachmannschaften und damit die M\u00f6glichkeit, seine Landung zu verhindern, aber in Edo gab es dergleichen nicht. Die Hauptstadt lag ungesch\u00fctzt vor den amerikanischen Schiffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Japan mangelte es nicht an tapferen Samurai, die ihr Land bis zum letzten Blutstropfen verteidigt h\u00e4tten \u2013 wohl aber an schwerem Kriegsger\u00e4t. Der \u00fcber 200 Jahre w\u00e4hrende innerjapanische Frieden und das Fehlen einer Bedrohung von au\u00dfen hatten es nicht n\u00f6tig gemacht, neue Waffen zu entwickeln. In Europa dagegen waren es die unabl\u00e4ssigen Kriege, mit denen sich die europ\u00e4ischen Reiche gegenseitig \u00fcberzogen, die f\u00fcr eine entscheidende Entwicklung der Waffentechnik sorgten.<\/p>\n\n\n\n<p>Alleine die Drohung Perrys, seine Bordkanonen einzusetzen und die neuen sechssch\u00fcssigen Colts, reichte aus, den Japanern die Ausweglosigkeit ihrer Lage zu demonstrieren. Ihre kostbaren Schwerter und einige einzelne kleinere Kanonen symbolisierten mehr den Stolz der japanischen Kriegerkaste, als dass sie wirksam einsetzbar waren. Der immerw\u00e4hrende interne Frieden machte &#8211; so traurig es klingt &#8211; den raschen Sieg von Perry erst m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Vertrag von Kanagawa vom 31. M\u00e4rz 1854 beeilten sich die europ\u00e4ischen Staaten, den USA zu folgen und Vertr\u00e4ge mit der japanischen Regierung des Sh\u014dgunats abzuschlie\u00dfen, die diesen Forderungen hilflos gegen\u00fcberstand: Gro\u00dfbritannien, Frankreich, Russland (das nur um einige Monate nach Perry zu sp\u00e4t nach Japan gelangte) und schlie\u00dflich noch die Niederlande. 1859 wurden die drei H\u00e4fen Nagasaki, Yokohama und Hakodate f\u00fcr den Au\u00dfenhandel ge\u00f6ffnet, 1868 kamen noch Kobe und Niigata hinzu. Von diesen gewann vor allem Yokohama an Bedeutung und entwickelte sich zum wichtigsten Wohnort f\u00fcr die Ausl\u00e4nder und die damalige Hauptstadt Edo mit ihrer Millionen z\u00e4hlenden Bev\u00f6lkerung zum Hauptabsatzmarkt f\u00fcr europ\u00e4ische G\u00fcter.<\/p>\n\n\n\n<p>In Japan leben und Handel treiben durften allerdings nur die Angeh\u00f6rigen der \u201eVertragsstaaten\u201c, was die Deutschen damit ausschlo\u00df. Von ihnen gab es aber bereits seit den 1840er Jahren einige Handelsh\u00e4user, die sich in den Vertragsh\u00e4fen des Kaiserreichs China niedergelassen hatten und erfolgreich agierten.Von China war es nicht weit nach Japan, wo es offensichtlich neue Chancen gab, die aber nur von den Handelsagenten der zugelassenen L\u00e4nder genutzt werden konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Louis Kniffler, ein aus dem Rheinland stammender Preu\u00dfe (1827-1888), gr\u00fcndete das Handelshaus L. Kniffler &amp; Co., auf Deshima in Nagasaki, das gerade (1859) als Vertragshafen er\u00f6ffnet worden war. Da er vorher in Batavia (heute Jakarta) gearbeitet hatte, stellte er sich unter den Schutz der Niederlande, um unbehelligt seinen Gesch\u00e4ften nachgehen zu k\u00f6nnen. Das erinnert an Philipp Franz von Siebold, der ja auch als angeblicher Holl\u00e4nder nach Japan gelangt war.<\/p>\n\n\n\n<p>Kniffler war durchaus geschickt und erfolgreich: 1867 lieferte er die ersten Krupp-Kanonen nach Japan, denn R\u00fcstungsg\u00fcter wurden immer wichtiger f\u00fcr den Import. Allerdings konnten sie die Sh\u014dgunats-Regierung nicht mehr retten, die am Ende dieses entscheidenden Jahres die Regierungsgewalt in die H\u00e4nde des Tenn\u014d zur\u00fcckgab. Da Kniffler geschickt beide Kontrahenten, die aufs\u00e4ssigen Daimy\u014ds und die Sh\u014dgunatsregierung, gleichzeitig mit Waffen versorgte, stieg er zum zweitgr\u00f6\u00dften R\u00fcstungsh\u00e4ndler in Japan auf. Wie die anderen ausl\u00e4ndischen Handelsagenten exportierte Kniffler vorwiegend Tee und Seide aus Japan nach Europa, bediente aber auch die asiatischen M\u00e4rkte. Sein Manko war, dass kein deutsches Handelsschiff Japan anlaufen durfte, solange Deutschland noch nicht zu den \u201eVertragsstaaten\u201c geh\u00f6rte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zerstrittene Deutsche Bund mochte politisch schwach sein, aber Technik und Industrialisierung hatten die wirtschaftliche Entwicklung in den deutschen L\u00e4ndern vorangetrieben. Neue Absatzm\u00e4rkte wurden gesucht. Der zunehmende \u00fcberseeische Handel durch den Einsatz von Dampfschiffen erh\u00f6hte die Bedeutung der deutschen Seeh\u00e4fen Bremen, Hamburg und L\u00fcbeck. Daher ging eine erste Initiative von diesen drei norddeutschen St\u00e4dten aus, die mit Argwohn die Handelsbem\u00fchungen der anderen europ\u00e4ischen Staaten und der USA registrierten. Schon 1855 lag ein Antrag der hamburgischen Kaufmannschaft an den heimischen Senat vor, mit Japan in Verhandlungen zu treten. Ziemlich blau\u00e4ugig glaubte man, einen eigenen Vertrag erreichen zu k\u00f6nnen (die Hansest\u00e4dte waren ja \u201efreie\u201c St\u00e4dte), und setzte sogar einen Brief an den \u201eKaiser von Japan\u201c (gemeint war der Sh\u014dgun) auf, von dem allerdings keine Antwort kam. F\u00fcr eine diplomatische Mission reichten die Kr\u00e4fte der Hansest\u00e4dte nicht aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen Handelsvertrag mit dem neuen Mitspieler auf der internationalen B\u00fchne Japan abzuschlie\u00dfen, wurde in der Mitte Europas inzwischen zu einem politischen Kalk\u00fcl zwischen Preu\u00dfen und \u00d6sterreich, wobei Preu\u00dfen diesmal die Oberhand behielt.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch erst, als die noch vagen Pl\u00e4ne der preu\u00dfischen Regierung bekannt wurden, eine diplomatische Delegation nach Fernost zu entsenden, nahmen diese Forderungen Gestalt an. In Berlin war es vor allem Handelsminister August von der Heydt (1801-1874), der seit 1854 zunehmend auf diese Expedition dr\u00e4ngte. Es gab nur ein gravierendes Problem, denn Preu\u00dfen verf\u00fcgte noch nicht \u00fcber die f\u00fcr eine solche Fahrt nach Ostasien notwendigen Schiffe. Die \u201eK\u00f6niglich Preu\u00dfische Marine\u201c hatte gro\u00dfe M\u00fche, wenigstens vier Schiffe aufzutreiben: die Korvette <em>Arcona<\/em> und die Fregatte <em>Thetis<\/em> waren gerade im Bau, ein kleinerer Schoner konnte durch eine Kollekte unter Frauen gekauft werden und erhielt deshalb den Namen <em>Frauenlob<\/em>, und das Transportschiff <em>Elbe<\/em> steuerte Hamburg bei. Am 9. August 1859 gab der Preu\u00dfische Landtag gr\u00fcnes Licht f\u00fcr die Unternehmung, doch die Abfahrt verz\u00f6gerte sich immer wieder; so geriet die <em>Arcona<\/em> in der Nordsee gleich in einen schweren Sturm und musste in England in die Reparatur. Das Unternehmen stand erst einmal unter keinem guten Stern.<\/p>\n\n\n\n<p>Urspr\u00fcnglich war die Wahl des Missionsleiters auf Emil Freiherr von Richthofen gefallen. Doch seine finanziellen Forderungen erschienen in Berlin als zu hoch, weshalb man nach einem Ersatz f\u00fcr ihn suchte und ihn im Grafen zu Eulenburg fand. Nur z\u00f6gernd \u00fcbernahm der Graf diesen Auftrag. Das Ziel der Mission war schwierig, und die Auswahl der Mitreisenden gefiel ihm nicht. Allein drei Kaufleute sollten mitreisen, als Sachverst\u00e4ndige der Textilindustrie oder als Vertreter einer Handelskammer, denn ein wichtiges Ziel war ja die Aufnahme von Handelsgesch\u00e4ften mit Japan. Sachsen etwa, das sich neue Abnehmer f\u00fcr seine Textilindustrie erhoffte, war durch Gustav Spie\u00df vertreten, der den anderen als &#8222;bunter Hund&#8220; galt, weil er gerne auff\u00e4llig gemusterte Westen trug.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu kamen diverse Wissenschaftler aus Fachgebieten, deren Aufgabe es war, das neue Land und seine Umgebung zu erforschen. Deshalb geh\u00f6rten ein Botaniker, ein Zoologe und ein Agrarwissenschaftler zur Expeditionsmannschaft. Die Kgl. Akademie der Wissenschaften hatte einen Fragenkatalog zusammengestellt: so sollte die Natur der Taifune abgekl\u00e4rt werden, und ob in Asien bei Unwettern Blitze in Form von Leuchtkugeln oder nur gezackte auftr\u00e4ten?<\/p>\n\n\n\n<p>Auch ein Photograph wurde mitgenommen, der aber durch einen Maler erg\u00e4nzt werden musste, da das Photographieren zu dieser Zeit noch eine m\u00fchsame Angelegenheit war und die Ausbeute deshalb gering ausfiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele M\u00e4nner bewarben sich, mehr, als man in die Mannschaft aufnehmen konnte, denn Japan galt als neues Wunderland, von dem sich alle Exotisches erhofften.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch ein Sachse mit Namen Wilhelm Heine, geboren in Dresden, war darunter. Er rechnete sich gute Chancen aus, denn er war der einzige, der Japan bereits kannte. Als Bordmaler hatte er die erste Expedition von Matthew C. Perry begleitet und von Japan eine malerische Ausbeute zur\u00fcckgebracht, die Amerika in ein erstes Japanfieber versetzt hatte. Allerdings war er ein politischer Fl\u00fcchtling, nachdem er 1849 am Maiaufstand in Dresden teilgenommen und in Amerika eine neue Heimat gefunden hatte. Er war inzwischen amerikanischer Staatsb\u00fcrger geworden, was dem Grafen mi\u00dffiel, ebenso wie das Selbstbewu\u00dftsein, das Heine zeigte. Dieser wurde als Zeichner aufgenommen, zum Maler wurde in letzter Minute Albert Berg bestimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach langen Vorbereitungen brach das Expeditionscorps auf, aber in getrennten Gruppen. Einige Teilnehmer reisten \u00fcber Land und trafen in Alexandria wieder zusammen. Nach einem Besuch von Kairo war Ceylon die n\u00e4chste Station, dort schiffte man sich auf der <em>Ganges<\/em> der P&amp;O-Linie nach Singapur ein. Die Reise war nicht ungef\u00e4hrlich, der Dampfer war mit 1780 Kisten Opium und 2000 Kisten Bargeld bis zum Bordrand beladen, bestimmt f\u00fcr die Engl\u00e4nder in China, die das Reich zwangen, als Bezahlung f\u00fcr ihre Seiden- und Tee-Eink\u00e4ufe Opium zu akzeptieren, das verheerende Folgen f\u00fcr die chinesische Bev\u00f6lkerung hatte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"723\" src=\"https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/026e_small-1024x723.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-232\" srcset=\"https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/026e_small-1024x723.jpg 1024w, https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/026e_small-300x212.jpg 300w, https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/026e_small-768x542.jpg 768w, https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/026e_small-1536x1085.jpg 1536w, https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/026e_small-2048x1447.jpg 2048w, https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/026e_small-1568x1108.jpg 1568w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Wilhelm Heine: Ansicht von Kairo 1860<br>aus: Andrea Hirner:\u00a0Wilhelm Heine, K\u00f6tzschenbroda 2009\u00a0<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1017\" src=\"https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/026c-1024x1017.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-230\" srcset=\"https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/026c-1024x1017.jpg 1024w, https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/026c-300x298.jpg 300w, https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/026c-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/026c-768x763.jpg 768w, https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/026c.jpg 1405w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Wilhelm Heine: Wie man 1860 die Pyramiden besteigt<br>aus: Andrea Hirner:\u00a0Wilhelm Heine, K\u00f6tzschenbroda 2009\u00a0<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Am 13. August 1860 waren alle vier Schiffe bereit, von Singapur aus nach Japan aufzubrechen. Zwar sollte der Gesandte auch mit dem chinesischen Kaiserreich und dem K\u00f6nigreich Siam Vertr\u00e4ge abschlie\u00dfen, aber die politischen Verh\u00e4ltnisse in China waren so verworren, dass er als erstes Ziel Japan ausw\u00e4hlte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ankunft in der Bucht von Edo fiel unheilbringend aus, denn die Schiffe gerieten in einen heftigen Taifun, wobei man die kleine <em>Frauenlob <\/em>aus dem Auge verlor. Erst Tage sp\u00e4ter wurde klar, dass das Schiff mit der gesamten Besatzung im Sturm gesunken war und niemand \u00fcberlebt hatte. Das war kein gutes Omen f\u00fcr die anstehenden Verhandlungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese gestalteten sich ganz nach den Vorbildern der anderen westlichen Staaten. Vor der Abreise hatte Graf zu Eulenburg noch London und Paris besucht, um sich \u00fcber deren Vertr\u00e4ge mit Japan zu informieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Berliner Au\u00dfenministerium war darauf bedacht, alle Vorteile, die die Vertragsstaaten bislang erreicht hatten, auch f\u00fcr Preu\u00dfen und die beteiligten Stadtstaaten zu sichern: Exterritorialit\u00e4t (preu\u00dfische Untertanen konnten nur vor ihren eigenen Konsuln und nicht vor japanischen Richtern angeklagt werden) und die Meistbeg\u00fcnstigtenklausel (alle westlichen Vertragspartner sollten alle Rechte und Vorteile erhalten, die Japan einem weiteren Staat zubilligen w\u00fcrde). Wichtige Klauseln betrafen den gegenseitigen Handel. Es war ein einseitiger Vertragsentwurf zu Gunsten von Preu\u00dfen und folgte damit den bisherigen Vertr\u00e4gen, die unter den Begriff &#8222;ungleich&#8220; fallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ungl\u00fccklicherweise hatte der Graf in einem Anschreiben an die k\u00fcnftigen Verhandlungspartner den Begriff &#8222;Norddeutschland&#8220; gew\u00e4hlt, was den Japanern Kopfzerbrechen bereitete. Sie wollten nur Vertr\u00e4ge mit gleichberechtigten Souver\u00e4nen abschlie\u00dfen, so dass der Graf danach nur noch vom &#8222;gro\u00dfen&#8220; preu\u00dfischen K\u00f6nig sprach.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch ohne dieses Problem waren die Verhandlungen schwierig genug, die am 14. September 1860 in Edo begannen. Die Regierung des Sh\u014dgun wollte auf keinen Fall einen Vertrag mit einem weiteren europ\u00e4ischen Land abschlie\u00dfen, denn die Stimmung in Japan war bereits aufgeheizt. Von den Angeh\u00f6rigen der anderen Vertretungen wurden die Preu\u00dfen vor \u00dcberf\u00e4llen und Mordattacken durch r\u014dnin, herrenlose Samurai, gewarnt, die durchs Land zogen, um die fremden Teufel wieder aus Japan zu vertreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Was sich zwischen der Regierung des Sh\u014dgun in Edo und dem Tenn\u014d in Ky\u014dto abspielte, der strikt gegen den Abschlu\u00df der Vertr\u00e4ge war, blieb den Preu\u00dfen weitgehend verborgen, weil diese Materie zu kompliziert war.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vertreter des Sh\u014dgunats, Eulenburgs Verhandlungspartner, nutzten jede M\u00f6glichkeit, um die Verhandlungen in die L\u00e4nge zu ziehen, was an den Nerven des Gesandten zerrte. Nach dem Ungl\u00fcck der <em>Frauenlob<\/em> mit leeren H\u00e4nden zur\u00fcckzukehren, w\u00e4re f\u00fcr ihn ein diplomatisches Fiasko gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00fcbrigen Herren in seiner Begleitung dagegen genossen ihren Aufenthalt nach Kr\u00e4ften. Anders als noch bei Perry durften Ausl\u00e4nder inzwischen l\u00e4ngere Ausfl\u00fcge machen, japanische Wirtsh\u00e4user aufsuchen und Ritte unternehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war nie ganz ungef\u00e4hrlich, wie Hendrik Heusken erfahren musste, der holl\u00e4ndische Dolmetscher, den der amerikanische Generalkonsul Townsend Harris den Preu\u00dfen zur Verf\u00fcgung gestellt hatte. Am 15. Januar 1861 war er Gast der Preu\u00dfen in deren Unterkunft in Akabane, als er auf dem Heimweg von mehreren M\u00e4nnern angegriffen und so schwer verletzt wurde, dass er in der Nacht starb.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war nicht die einzige Katastrophe, denn der ersehnte Vertragsabschlu\u00df betraf nur Preu\u00dfen und nicht die Hansest\u00e4dte, die sich so viel davon erhofft hatten. Endlich hielt der Gesandte den unterschriebenen Vertrag am 24. Januar 1861 in den H\u00e4nden und konnte danach erleichtert nach China und Siam weiterreisen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"721\" src=\"https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/033_small-1024x721.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-233\" srcset=\"https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/033_small-1024x721.jpg 1024w, https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/033_small-300x211.jpg 300w, https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/033_small-768x541.jpg 768w, https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/033_small-1536x1082.jpg 1536w, https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/033_small-2048x1442.jpg 2048w, https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/033_small-1568x1104.jpg 1568w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Wilhelm Heine: Die Vertragsunterzeichnung am 24. 1. 1861<br>aus: Andrea Hirner:\u00a0Wilhelm Heine, K\u00f6tzschenbroda 2009\u00a0<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dieser erste Vertrag trat am 1. Januar 1863 in Kraft, wurde aber bald durch einen neuen abgel\u00f6st, den Max von Brandt, der &#8222;Gesch\u00e4ftstr\u00e4ger des Norddeutschen Bundes&#8220;, am 20. Februar 1869 unterzeichnete.<\/p>\n\n\n\n<p>Japan war inzwischen wieder Kaiserreich, aber noch immer existierte kein &#8222;Deutsches Reich&#8220;; erst am 4. April 1896 wurde ein Handels- und Schifffahrtsvertrag zwischen Japan und dem Deutschen Reich abgeschlossen. F\u00fcr Japan bedeutsam war dabei, dass in diesem Vertrag die Exterritorialit\u00e4t aufgehoben war und Japan gleicherma\u00dfen die Vorteile der Meistbeg\u00fcnstigtenklausel auf sich anwenden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Kaiserreich Japan war zu einem gleichberechtigten Partner der europ\u00e4ischen Staaten geworden und die abenteuerliche Expedition von 1860\/1861 nur noch Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr viele der Beteiligten war die Reise Anla\u00df f\u00fcr wissenschaftliche und andere Werke, die ihren Namen bekannt machten und die Karriere f\u00f6rderten. Die Bilder, die Wilhelm Heine von dieser zweiten Japanreise mit nach Hause brachte und ver\u00f6ffentlichte, sind wichtige Zeitdokumente der letzten Jahre vor der Meiji-Restauration 1868, weil sich von der photographischen Ausbeute der Reise nur einige wenige Bilder erhalten haben. Heines Japanbilder befinden sich heute im Museum F\u00fcnf Kontinente in M\u00fcnchen und erg\u00e4nzen somit die Siebold-Sammlung im gleichen Museum.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"880\" src=\"https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/044-1024x880.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-234\" srcset=\"https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/044-1024x880.jpg 1024w, https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/044-300x258.jpg 300w, https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/044-768x660.jpg 768w, https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/044-1536x1320.jpg 1536w, https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/044-1568x1348.jpg 1568w, https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/044.jpg 1710w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Wilhelm Heine: der Daibutsu in Kamakura<br>aus: Andrea Hirner:\u00a0Wilhelm Heine, K\u00f6tzschenbroda 2009\u00a0<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das geschah vor 160 Jahren, am 24. Januar 1861, in der damaligen japanischen Hauptstadt, die noch Edo hie\u00df. \u201eDeutschland\u201c ist in diesem Zusammenhang allerdings nicht der richtige Ausdruck, denn ein geeinter deutscher Staat existierte noch nicht. In Frankfurt am Main gab es einen \u201eDeutschen Bund\u201c, der sich aus drei Dutzend F\u00fcrstent\u00fcmern und vier freien Reichsst\u00e4dten<a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/?page_id=228\"><span class=\"screen-reader-text\">&#8222;Wie Deutschland und Japan ihren ersten Vertrag miteinander schlossen.&#8220;<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-228","page","type-page","status-publish","hentry","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/228"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=228"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/228\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":239,"href":"https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/228\/revisions\/239"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.japanisches-bayern.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=228"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}